Letzter Tag in Petra – Zu Gast im Beduinen-Haus

21.03.2011 – Letzter Tag in Petra

Wenn mich eins beeindruckt, dann sind es Menschen und Tiere mit aussergewöhnlichen Geschichten.
Eine nahezu unglaubliche Geschichte erfahre ich an diesem Abend.

Zum Abschied treffen wir uns noch einmal mit Fred und nehmen uns gegenseitig das Versprechen ab und wiederzusehen.
Anschließend sind wir bei einer Beduinen-Frau zum Abendessen eingeladen, die wir am Nachmittag bei Dreharbeiten kennengelernt haben.
Hannan ist 28, geschieden und lebt allein mit ihrer Mutter in einem der vielen kleinen Einzimmer-Häuser im Dorf.

Sie war die einzige, die wir vor der Kamera interviewen konnten und auch sonst scheint sie uns offener gegenüber zu treten als die anderen.

Hannan, oder “Hanna”, wie sie uns der Einfachheit halber anbietet, kocht ein wunderbares jordanisches Gericht mit dem lustigen Namen “Upside Down”.
“Maqluba” – so der jordanische Name – ist ein Reisgericht mit Huhn, Gemüse und Yoghurt. Alles zusammen in einer riesigen (Fr)Ess-Schale.

Jeder um diese monströse Schale herum bekommt einen Löffel in die Hand, dazu einen Becher mageren Yoghurt und eine Schale kleingeschnittener Paprika, dann geht’s los.
Man isst … bis man platzt… bzw. kurz davor steht – man möchte der fleißigen Gastgeberin ja nicht den Gästeraum versauen. :-P

Ein richtig leckeres Gericht, was ich jedem nur weiter empfehlen kann.

Am meisten beeindrucken mich jedoch Hannans Englischkenntnisse.
Als hätte sie die Sprache in der Schule gelernt, spricht sie mit uns im perfekten Englisch über allgemeine Themen, über den erfolgreichen Drehtag und ihr Leben in Petra.

Als sie jedoh erwähnt, niemals eine Schule besucht zu haben, haut es mich beinahe aus den Socken.
Rein durch Zuhören und Nachahmen der Touristen hat Hannan diese Sprache gelernt.
Ganz ohne Lehrer, Übersetzer, ganz ohne Hilfe.

Unmöglich – denke ich. Wie kann man nicht nur fremde Vokabeln, sondern auch die Grammatik so perfekt lernen??

Aber nicht nur das – Hannan kann sogar einige Brocken Französisch, Spanisch… und sogar Deutsch.
Unglaublich aber wahr.

Der Wortschatz der englischen Sprache ist größer als der jeder anderen Sprache. Das beruht darauf, dass der Wortschatz „doppelt“ ist, mit teils germanischen und teils romanischen Wörtern (seit der normannischen Eroberung Englands im 11. Jahrhundert).
Das umfangreichste Wörterbuch der Welt, Oxford English Dictionary, hat 500 000 Stichwörter, aber in Wirklichkeit gibt es viel mehr, da stets neue dazukommen.

Kurz gegoogelt: Der zentrale Wortschatz der englischen Sprache umfasst ca. 15 000 Wörter.
Wenn man diese beherrscht, versteht man angeblich ca. 95% aller englischen Texte und Gespräche, kann also die meisten Sprachsituationen beherrschen.

Hannan meint, sie habe mit 14 angefangen, die Sprache “sprechen zu wollen”.
Das heißt, sie “lernt” die Sprachen nun seit 14 Jahren. Ohne Lehrer, ohne Hilfe.

Heißt theoretisch: Hannan lernt jeden Tag mindestens 3 neue Wörter einer Sprache.

Aus der Schule und aus eigener Erfahrung wissen wir eine psychologische These weitgehend zu bestätigen:
Vom Hören behält der Mensch ca. 20% eines Textes. Wie vielen Gesprächen muss Hannan also gelauscht haben.

Eine beeindruckende Leistung, die mich wohl noch lange beschäftigen wird.

„Sag mir’s – und ich vergesse.
Zeig mir’s – und ich erinnere mich vielleicht.
Hör mir zu – damit ich’s behalte.
Lass es mich tun – und ich weiß es fur immer.“

Mobile Mosque – Suren aus der Dose

Mobile Mosque – Suren aus der Dose

Oder: Der Koran to Go

Im aktuellen Geo Special zum ersten Mal gelesen und für Quatsch gehalten – jedoch bin ich nun eines besseren belehrt!
Es gibt ihn doch! Den Mini-Koran!

Entweder auf dem Rücksitz liegend oder vom Rückspiegel baumelnd findet man ihn meistens in einem Taxi, aber auch in normalen PKWs.
In einer reich verzierten Holzdose liegt der kleine “Koran To Go” und wartet auf seinen Einsatz.

Pünktlich zur Gebetsstunde fährt man dann einfach kurz rechts ran – und schon gibt es Suren aus der Dose. Vorausgesetzt der Fahrgast hat’s nicht so eilig.
Ideal also für den Einsatz im alltäglichen Stau, geradezu perfekt für den vielbeschäftigten Muslim.

Jetzt fehlt nur noch eine “Mobile Mosque” – eine mobile Moschee, quasi zum Mitnehmen – ähnlich wie der Sonntagsgottesdient im deutschen Rundfunk und Fernsehen.

Into Petra

19.03.2011 – Into Petra

50 Dinar – das Schild mit den Eintrittspreisen zu Jordaniens berühmter Wüsten-Stadt ist das erste, was man von den alten, in den Sandstein gehauenen Stadtteilen sieht. Tagesbesucher, ohne eine Hotelbleibe, zahlen 90 Dinar.

Stolzer Preis – ob er hält was er verspricht?
Direkt hinter dem Eingangstor warten Guides und Pferde auf die vielen lauffaulen Touristen, die bereits gegen 8.00 Uhr morgens die Stadt stürmen.

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Wir begleiten zunächst Cowboy Fred bei seiner täglichen Arbeit und schmeißen uns danach selbst ins Getümmel.
Immerhin habe ich Petra selbst noch nie gesehen, kenne nur das berühmte Schatzhaus, was schon in Filmen wie Indianer Jones und Transformers als beliebtes Motiv galt.

Gift Shops preisen Souvenirs aller Art an und laut rufen die Guides nach den vorbeiziehenden Menschenhorden.
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Von den Nabatäern erbaut ist Petra – oder auf arabisch “Al Batrà” – in den vielfarbigen Felsen des Wadi Musa versteckt. Hinter einer gigantischen Schlucht, dem “Siq”, durch die auch schon die Römer marschieren mussten, wartet die erste große und berühmte Attraktion.
1,3 km sind es bis zum “Khazne al-Firaun”, dem Schatzhaus. Ein unglaubliches, aus dem Felsen gehauenes Wunderwerk.

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Jeweils an den Wänden des Siq sieht man heute noch die Wasserläufe, einen fürs Getier, einen fürs GeMensch, die Petra damals zum Verhängnis wurden. Lange floß das Wasser bis in die Stadt hinein – ein Meisterwerk der Ingenieurskunst, dann kamen die Römer und kappten die Leitung.
Nach nur elf Tagen fiel Petra.

am Schatzhaus vorbei gehen wir noch bis ins “Basin”, auf dem Weg dahin sehen wir weitere beeindruckende Felshöhlen. In einige wagen wir uns – der Aufstieg über zahlreiche Stufen ist mit Kameraequipment nicht ganz einfach.
Nach mehreren Stunden Arbeit und Schlepperei wollen die Beine nicht mehr so, wie sie sollen, daher sparen wir uns auch den Weg zum Opferplatz und weiteren Sehenswürdigkeiten.
Auch der stolze Preis pro Esel (der uns unsere Last abnehmen soll) von 50 JD (Jordanische Dinar) lässt uns danked ablehnen. Ein anderes Mal.

Trotzdem bekommen wir einige klasse Bilder fürs Privatarchiv.
Dann geht es auch schon zu unserer Verabredung mit Imahd, einem jungen Mann aus dem Dorf, der selber Pferde besitzt und in der hiesigen Tierklinik arbeitet.
Er und sein Bruder nehmen uns mit auf einen Hügel neben der Stadt. Von hier kann man den Siq sehen und die beeindruckende Landschaft um uns herum.

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Ein kleines Lagerfeuer erhitzt das Teewasser – dann machen wir uns schon auf den Heimweg.

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Abends beenden wir den Tag zusammen mit unserem neugewonnenen Freund Fred mit einem gemeinsamen Abendessen und einem Bier in der Hotelbar.
CORONAAA! ;-)

Anbei der erste Trailer zum Jordanien-VLOG:

Subhi und der Weg nach Petra

17.03.2011 – Subhi und der Weg nach Petra

Vorerst letzter Drehtag in den Royal Stables – wir bekommen nicht nur Subhi und seine Familie abgelichtet, sondern machen noch einige schöne Bilder der Ställe und Pferde.
Die Aufnahmen eines dunkelbraunen Araber Hengstes und von ca. 15 Jährlingen gefallen mir besonders.
“Monarchus”, ein Prachtkerl von Araber, schmeißt sich den ganzen Tag auf seinem großen Paddock immer dann in Positur, wenn er eine Stute auch nur wittert.
Und in einem Stall mit rund 250 Pferden dürften das einige sein.
So benimmt sich der braune Hengst auch – “ruft” nach seinen Mädchen, bockt, keilt aus und steigt – was das Zeug hält.
Coole Show für unsere Kamera!

Nicht weniger aktiv sind ca. 15 Jährlinge auf dem “Exercise”-Platz – eine Art großem Reitplatz mit weißen Mauern.
Ungestüm rennen sie um uns herum und liefern klasse Bilder.

Gegen Mittag begleiten wir Subhi zu sich nach Hause. An der Wand hängen Trophäen von gewonnenen Rennen und allerhand Tisch-Gedecke.
Eines davon wird sofort gefüllt – die Kids servieren in berühmter morgenländlicher Gastfreundschaft O-Saft, Kaffee, Tee, Kuchen und Obst.
Nach kurzen Interviews mit Subhi und einigen Fahrszenen machen wir uns auf, Richtung Petra.

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250 Kilometer, beinahe schnurgerade Richtung Süden führt uns unser Weg mitten durch trockene Sand- und Steinwüste.

Aber der Weg lohnt sich – allein fürs Hotel.
Ein großes Zimmer, Flachbildschirm, Highspeed Internet (gaaaanz wichtig! :-P ), Pool, Fitnessraum, drei Restaurants, Lobby und Bar (hier gibt’s Corona!!!! :-D ) – das alles schick und sauber und mit hervorragendem Service!

Das Auto wird für uns geparkt, das Gepäck ins Zimmer verfrachtet und in der Bar wird regelmäßig in kurzen Abständen Nachschub an Getränken und Nüssen gebracht. Klasse.
Nochmal angemerkt: hier gibt’s Corona!! … und für mich gabs das letzte Bier an Weihnachten… :-P

Gegen sechs treffen wir “Fred”, laut Major Feisal kann er uns in den nächsten Tagen helfen, in Petra gute Landschafts- und Pferdeaufnahmen zu machen und an die Menschen heranzukommen.
Fred ist Amerikaner und kümmert sich in Petra um die Pferde, Esel und anderen Tiere, die täglich für den Tourismus arbeiten und nicht immer so behandelt werden, wie sie es verdient hätten.

Mit seiner Hilfe hat sich hier schon einiges geändert.

Nun möge man sich den Mann, der übrigens deutsche Vorfahren hat, als jemanden mittleren Alters (ca. 40??) vorstellen, mit angepasster Kleidung und vollem Terminkalender…
Nun…der Terminkalender mag stimmen…der Rest nicht.

Wir kennen Fred nicht, sitzen in der Bar und warten gespannt darauf, was uns erwartet. Mit dem, was dann plötzlich in die Bar geschlendert kommt, haben wir aber ganz und gar nicht gerechnet!
Wir erkennen Fred sofort!

Mit Staub bedeckte Lederstiefel, Bluejeans, eine breite silberne Gürtelschnalle, Hemd, weißer Vollbart und ein schwarzer Steatson stehen im Eingang zu unserer Bar, wo ich mich gerade (die Internetleitung kontrollierend ;-) )über die Nüsse und Getränkekarte hermache.
Fred ist Rancher aus Arkansas, kommt immer wieder für ca. sechs Wochen nach Jordanien um sich um die in Petra eingesetzten Tiere zu kümmern und nach dem Rechten zu sehen.

Er ist Mitglied der “Community”, man sieht ihn als “einen von ihnen” – doch gerade optisch könnte er sich nicht mehr von den Einheimischen unterscheiden.

Mit seiner offenen Art, seinem DEFINITIV AMERIKANISCHEM Akzent und seinem Charakter ist er mir sofort sympathisch. Ihm scheint es ähnlich zu gehen.
Schon beim ersten Gespräch kommt uns allen die Idee für eine weitere Zusammenarbeit – das kann doch eigentlich nur gut gehen.
Wir alle freuen uns auf morgen – um 10.00 Uhr geht es für uns rein nach Petra.

Das Abendessen beeindruckt dann auch nochmal: Ein großes Buffet lädt vor dem eigentlichen Essen erst einmal zu einem “Rundgang” ein. Bei so viel leckerem Angebot fällt es schwer sich zu entscheiden.
Nach einem Salat als Vorspeise entscheide ich mich dann für Nudeln Carbonara und Roast Beef, zum Nachtisch plündern wir dann noch die Dessert-Teller, auf denen zahlreiche verschiedene Desserts mundgerecht bereitgestellt sind.

Internet klappt hervorragend – besser könnte der Abend nicht enden. :-)

Wie die Flugzeuge

16.03.2011 – Wie die Flugzeuge

Morgens 6.00 Uhr in Jordanien – kurzes Frühstück (Nein, knei Knoppas!…ist ja schließlich keine 10 Uhr!) und ab zu den Royal Stables.
Heute ist aber vom Stau keine Spur, also sind wir 20min. zu früh… egal…gibt trotzdem was zu sehen.

Die für das Training ausgesuchten Pferde werden in einen Transporter verladen und nach Ankunft der spanischen Trainerin Maite kanns auch schon losgehen.

Das Gelände ist ca. eine Autostunde entfernt – genau neben dem Flughafen und ist nicht ganz so schön (für die Kamera) wie zuerst angenommen.

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Egal, wir kriegen trotzdem einige schöne Bilder und fahren gegen Mittag wieder zurück zum Stall, wo uns einer der Reiter, “Jehad” zu den Ställen von Prinz Ali mitnimmt. Diese sind im Palastbezirk von Amman und einige km entfernt.

Bis wir aber “drin” sind, dauert es eine Weile. Es reiht sich Security Check and Security Check, an dem wir (gottseidank) relativ schnell vorbeifahren können.
Jehad ist nämlich der Leiter dieser Stelle und dementsprechend freies Geleit.

Kurz noch ein kurzes Schnüffeln vom Bomben-Spürhund, dann sind wir drin – im Palastgelände.

Hier hat der König persönlich sein Büro und einige der Prinzen ihr zuhause.
Ein riesiges Gelände, mit einem eigenen Straßensystem, quasi eine eigene kleine Stadt in der Stadt.

Die Wege sind mit Holzschildern benannt und weisen einem den Weg. Ganz schön beeindruckend.
(Sowas will ich auch!) :-P

Um 4:00 Uhr sind wir mit “Amer” von 962Street verabredet – in einem Studio nimmt er einen seiner neuen Tracks auf, diesen wird er Samstag Nachmittag zusammen mit einigen anderen der Crew performen.
Zwar bin ich generell kein Freund von Hip Hop, aber was ich von Amer höre, gefällt mit doch.
Bin gespannt auf Samstag.

Zurück im Hotel wird erstmal die Technik vom Sand befreit… dies entpuppt sich doch als längere (und vorallem lästige!!) Arbeit.

Wieder geht in Tag im Morgenland zuende…